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Der „grüne Weg“: Bio-konforme Schädlingsbekämpfung von Containerfracht

22 MÄRZ 2021

Die Corona-Pandemie hat dazu geführt, dass Mitte bis Ende des letzten Jahres viele Händler und Verarbeiter eine große Menge Ware aus dem Ursprung importiert haben. Mit den Waren sind in den Containern auch zunehmend die verschiedensten Schädlinge auf Reisen gegangen. Das bedeutet Hochkonjunktur für die Schädlingsbekämpfer. Tim Szemjonneck, technischer Direktor von S&A, dem Experten für Schädlingsbekämpfung, Desinfektion und Begasung von Containern und Lagern, erklärt, wie Schädlinge in Containerwaren wirkungsvoll, aber schonend bekämpft werden können.

Herr Szemjonneck, wie kommt es zu dem zunehmenden Schädlingsbefall in den Containern?

Im Zuge der Pandemie sind die Frachtraten aktuell auf einem sehr hohen Niveau. Dies hat zur Folge, dass die Ware länger als sonst im Ursprungsland verbleibt, um Kosten zu sparen. Da die Lagerbedingungen aufgrund hoher Umgebungsbedingungen zum Beispiel häufig mangelhaft sind, kommt es im Ursprung häufiger zu Kontamination durch Schädlinge. Das verkompliziert den Import und sorgt für einen erhöhten Bedarf nach effektiver Schädlingsbekämpfung.

Wie bekommen Sie und Ihr Team Containerfracht ungezieferfrei?

Wir behandeln Container und deren Inhalte nach internationalen Übereinkommen (z. B. IPPC International Plant Protection Convention) mit Gasen und Hitze. Für Bioprodukte, bei denen zur Schädlingsbekämpfung nur zugelassene Maßnahmen und Mittel nach der VO (EU) 834/2007 zum Einsatz kommen dürfen, bieten wir zudem ein Verfahren an, das auf dem Biogas CO2 und Druck basiert. Die sogenannte CO2-Druckentwesung ist schonend, schnell, rückstandsfrei und toxikologisch unbedenklich. Die Entwicklung zeigt, dass dieses Verfahren große Vorteile bei Großgebinden wie Big Bags oder Säcken hat. Hierbei verbleibt kein Gas im Gebinde, welches später über einen unbestimmten Zeitraum austritt. Die chemisch-physikalische Wirkung hat vor allem bei der Bekämpfung sehr hartnäckiger Schadinsekten einen entscheidenden Vorteil gegenüber üblichen Begasungsmitteln oder rein physikalischen Behandlungsmethoden. Zudem gibt es zunehmend Kunden, die einen "grünen Weg" ohne die Verwendung von Toxinen gehen möchten.

Wie funktioniert dieses Verfahren genau?

In einer sogenannten PEX-Anlage (PEX = Pressure Expansion) werden die zu behandelnden Waren unter Zusatz von CO2 über mindestens 90 Minuten einem hohen Druck von bis zu 30 bar ausgesetzt. Anschließend wird der Druck rasch wieder herabgesetzt. Durch das plötzliche Ablassen des Drucks werden sämtliche Vorratsschädlinge, zum Beispiel Käfer, Motten und Milben, vernichtet und anschließend entfernt. Im Gegensatz zu anderen tötet dieses Verfahren alle Stadien der Entwicklung, sprich auch Eier, Puppen, Larven und Imagines ab. Es bietet zudem den Vorteil, dass die Behandlung resistenzbrechend ist. Sprich, dem Insekt wird keine Möglichkeit einer Anpassung an die Bedingungen gegeben. Die Qualität der Ware, zum Beispiel der Bruchanteil, der Geruch oder die Farbe, wird außerdem in keiner Weise beeinträchtigt.

Wie verhindern Sie, dass schädlingsfreie Ware vor der Weiterverarbeitung nicht erneut von Schädlingen befallen wird?

Wir schaffen für unsere Kunden eine Quarantänezone außerhalb der kundeneigenen Produktion oder des Lagers. Hierbei fungiert unser Standort als sogenannter Schwarzbereich. Da nur behandelte Ware unseren Standort in Westerholz verlässt, kommt auch nur schädlingsfreie Ware in die Produktion. Eine Kontamination von anderen Lagergütern oder Fertigware kann somit ausgeschlossen werden. Darüber hinaus besteht natürlich auch die Möglichkeit, kontaminierte Ware direkt beim Kunden vor Ort zu behandeln.